Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Alles was noch mit der F800S + F800ST + F800GT + F800GS und der F800R zu tun hat.

Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Basti87 » 08.06.2017, 15:49

Hallo, man wird ja viel belächelt wenn der "Angststreifen" breit ist.

Nur noch mal zum grundsätzlichen Physikverständnis, je schneller ich eine Kurve nehme, desto Schräger liege ich in dieser, oder ist es umgekehrt? je schräger ich liege desto schneller kann ich eine Kurve nehmen?
Egal wie rum.

Wenn ich mir die Straßen hier bei mir anschaue, dann habe ich da doch arge Bauchschmerzen zu schnell in eine Kurve zu gehen.
z.B. Kurve absolut nicht einsehbar (ist da vielleicht eine Panne hinter der Kurve?)
- starke Spurrillen in der Kurve
- wechselnde Beläge in der Kurve (Asphaltflicken sind viel Höher als der Rest)
- und der absolute Favorit, Splitt/Kies in der Kurve.

Nun frage ich mich, ist das nur bei mir in der Region so?
Bin ich zu blöd oder ängstlich?
Sind andere einfach nur Lebensmüde?


Ich meine hier explizit die öffentliche Straße und nicht die Rennstrecke.


Bin gespannt auf eure Meinungen




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Angststreifen oder Vernunftstreifen?

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 08.06.2017, 17:08

Servus Basti,
jeder traut sich so sein eigenes Schräglagenniveau zu.
Mein Angststreifen ist unterhalb 1cm.
Und das kommt eigentlich auch nur von den Kurven am Kesselberg, den ich auswendig kenne.
Würde ich den Kesselberg paarmal direkt hintereinander rauf und runter fahren, dann würde ich wahrscheinlich auch bis zur Kante hinaus kommen.
Aber das ist mir zu blöd.
Und wenn ich ausschließlich immer nur mir nicht so bekannte Strecken und Kurven fahren würde, dann hätte ich wohl einen Angststreifen von 2cm.

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Olchi » 08.06.2017, 17:10

Also gleich vorweg: an meinem Hinterreifen sind keine "Angststreifen". Ich fahre seit 50 Jahren Motorrad und das auch mit Köpfchen. Das bedeutet, bei unübersichtlichen Kurven doch mit etwas mehr Vorsicht zu fahren. Wenn auf einer Tour die Straße tiptop in Ordnung ist und dann mitten in der Kurve auf einmal etwas nicht mehr, naja, dann muss man sehen wie man zurecht kommt. Es gibt zumindest jede Menge übersichtliche Rechts- wie Linkskurven um die "Angststreifen" zu "beseitigen". Ich belächle aber niemanden mit Angststreifen, soll doch jeder so fahren wie er sich sicher fühlt.
Gruß
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 08.06.2017, 17:25

Genau!
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon oldie » 08.06.2017, 19:58

schließe mich harry und olchi an, jeder muß so fahren, wie er sich am sichersten fühlt, "angsstreifen" hin oder her, schmal oder breit. und wenn man´s ändern möchte, gibt´s ja kurvenfahrtrainings, um eigene grenzen auszuloten.
immer griffige strasse ohne böse überraschungen,
jörg
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadslug » 08.06.2017, 20:27

Also erst mal vorab: Die mögliche Kurvengeschwindigkeit hängt nicht von der Schräglage ab sondern von der Haftgrenze der Reifen. Die Schräglage ergibt sich dadurch, dass die Resultierende aus Gewicht und Fliehkraft vom Radaufstandspunkt durch den Schwerpunkt der Fuhre, also Motorrad und Fahrer geht. Wieweit die Maschine in die Kurve gelegt werden muss hängt also auch von der Fahrtechnik ab. Eine extremer HangUp-Kurventechnik benötigt bei gleicher Kurvengeschwindigkeit weniger Schräglage als z. B. Kurvenfahren durch "Drücken". Fazit: Dieser oft genannte "Angststreifen" sagt über den Fahrer und dessen Fahrkönnen absolut gar nichts aus.

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Kajo » 08.06.2017, 21:59

Roadslug hat geschrieben:Also erst mal vorab: Die mögliche Kurvengeschwindigkeit hängt nicht von der Schräglage ab sondern von der Haftgrenze der Reifen. Die Schräglage ergibt sich dadurch, dass die Resultierende aus Gewicht und Fliehkraft vom Radaufstandspunkt durch den Schwerpunkt der Fuhre, also Motorrad und Fahrer geht. Wieweit die Maschine in die Kurve gelegt werden muss hängt also auch von der Fahrtechnik ab. Eine extremer HangUp-Kurventechnik benötigt bei gleicher Kurvengeschwindigkeit weniger Schräglage als z. B. Kurvenfahren durch "Drücken". Fazit: Dieser oft genannte "Angststreifen" sagt über den Fahrer und dessen Fahrkönnen absolut gar nichts aus.Roadslug


Möchte mich diesem Beitrag anschließen und noch ergänzen, dass die Wahl des Reifens ebenfalls mit betrachtet werden muss.

So kann ein Reifen nach einem Tag auf der Rundstrecke aussehen, auf der Landstraße bekommt man das nicht hin.

Reifen.jpg


Gruß Kajo
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadrunner72 » 09.06.2017, 05:47

Um auch mal meinen unmaßgeblichen Senf dazuzugeben:
Problematisch ist in meinen Augen nicht der Angststreifen selbst. Als problematisch sehe ich, daß es sehr viele Motorradfahrer gibt, die Schräglagenängste haben, d.h. im Ernstfall (Kurve zieht sich zu) nicht mehr weiter abwinkeln und sich somit in Gefahr begeben. Man darf nicht vergessen, dass der Mensch evolutionär nur für Schräglagen bis 20° gemacht ist. Alles weitere muß man sich antrainineren.

Generell gebe ich dir Recht, Basti. Erwarte das Unerwartete, und fahr entsprechend umsichtig. So halte ich es auch. 10% weniger Kick, damit aber 95% mehr Sicherheit.
Trotzdem sollte man an seinen Schräglagenfähigkeiten arbeiten, um für sich die Reserven zu haben. Und tut man dies, so wird dann auch der besagte Streifen immer dünner.

Und natürlich kommt es auch auf das Terrain an. Wenn man Strecken wie den Kesselberg bei sich hat, geht das natürlich viel besser als wenn man im Norden wohnt, wo die Kurven nur im Lehrbuch stehen. neenee
Meine Frau und ich machen jedes Jahr ein Rundstreckentraining auf einer Kartbahn. Maximale Sicherheit, ein hoher Nutzwert für die Straße (und überdies ein riesen Spaß) sind garantiert.

Beste Grüße, Roady
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 09.06.2017, 06:19

Ja Roady, genau so ist es.
Man sollte schon mal "ordentliche Schräglagen" fahren. Ab und zu jedenfalls. Bei Kurven, die man kennt und überschauen kann.
Dann hat man "Schräglagenreserve", wenn man mal eine unbekannte Kurve unterschätzt hat.

Harry
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadrunner72 » 09.06.2017, 06:57

Das "mal" Schräglage kann ruhig öfters sein...
Ich war bei einem Vortrag von Klaus Schwabe (Motorradfahrlehrer, der mit dem IFZ zusammenarbeitet). Bei 80% der alleinverschuldeten Motorradunfälle, wo Biker aus der Kurve getragen wurden, ist dies mit einer Schräglage von 15% passiert. Nahezu alle Unfälle wären nicht passiert, wenn diese nur 10% mehr nachgedrückt hätten... Das war schon erschreckend.

Und mal Hand auf's Herz: Wer kennt das nicht, daß man erschrickt, auf das Hindernis starrt (Scheiß Blickführungsgesabbel :lol: ), womöglich noch in die Bremse langt und dann schnurstracks auf das Hindernis zufährt (die berühmten Eisenarme). Trotzdem das ich schon eine 6-stellige Fahrerfahrung habe und selbst immer wieder bewußt das Nachdrücken trainiere, ist es mir auch passiert.
Und da hilft nur üben, üben, üben.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 09.06.2017, 07:03

Was ist denn eine 15% Schräglage?
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon Roadrunner72 » 09.06.2017, 07:06

HarrySpar hat geschrieben:Was ist denn eine 15% Schräglage?

arbroller Shit, man sollte nicht vor dem ersten Kaffee posten plemplem
Ich meine natürlich 15 Grad... :roll:
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon HarrySpar » 09.06.2017, 07:31

:D


Spielt beim Angststreifen eigentlich auch der Reifendruck eine Rolle? Ich habe immer relativ hohen Druck drin. Fülle hinten immer so auf 3bar und vorne auf 2,6bar auf.
Zuletzt geändert von HarrySpar am 09.06.2017, 07:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon peter_n » 09.06.2017, 07:32

@Roady
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Re: Angststreifen oder Vernunftstreifen?

Beitragvon SingleR » 09.06.2017, 07:53

Ihr redet, den Grad der Schräglage betreffend, hier nur von "Geschwindigkeit". Das ist zwar richtig, aber unvollständig, denn die Schräglage wird auch durch den Kurvenradius bestimmt. Also: "enge Kurve + geringe Geschwindigkeit" kann eine höhere Schräglage erfordern als "weite Kurve + hohe Geschwindigkeit". Wer mal ein echtes Schräglagentraining (das ist etwas anderes als ein "Kurventraining") gemacht hat, der weiß, was ich meine. ;-) Ich hatte mir, kurz nachdem ich dieses Training absolviert hatte, ein neues Moped gekauft (meine aktuelle R), weil mich nach dem Training das ständige Fußrastenkratzen genervt hatte, ohne deswegen aber Harakiri-mäßig unterwegs gewesen zu sein. Und trotz dieser "Kratzerei" gelang es mir nicht, den "Angststreifen" wegzufahren.

Die Schräglage - @Harry - trainiert man sich kaum von selbst an. Neben eines professionellen Instruktors ist es fast schon wichtiger, auf einem Mopped mit Auslegern zu sitzen, weil man, im Gegensatz zum Training auf dem eigenen Bock, auch einen Fehler machen darf. Und insbesondere aus diesen Fehlern lernt man!

Roadslug hat geschrieben:Eine extremer HangUp-Kurventechnik benötigt bei gleicher Kurvengeschwindigkeit weniger Schräglage als z. B. Kurvenfahren durch "Drücken". Fazit: Dieser oft genannte "Angststreifen" sagt über den Fahrer und dessen Fahrkönnen absolut gar nichts aus.

Willst Du damit sagen, dass eine gute Hanging-off-Fahrtechnik (oder das extreme Drücken des Mopeds in die Schräglage) nichts mit Fahrkönnen zu tun hat? Falls ja, möchte ich mich Deiner Meinung nicht anschließen wollen. Wer, wie viele, stocksteif auf dem Hobel sitzt, wird es schwer haben, den Angststreifen rein fahrphysikalisch abzubauen. Und er wird es genau so schwer haben, sich aus einer brenzligen Situation, wenn die Kurve einfach noch enger werden will oder der Asphalt auszugehen droht, zu befreien.
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