Zielkonflikt Ruß - NOX

Alles was nirgenswo rein passt.

Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Roadslug » 11.08.2017, 16:08

Die Diskussion über Dieselabgase halt sich leider längst verselbständigt und von Sachlichkeit kann nicht mehr die Rede sein. Wenn ein Journalist und selbsternannter Experte (Döschner) ungestraft in das NS-Vokabular greifen kann und auf Twitter behauptet die Automobilindustrie "vergast jedes Jahr 10.000 Unschuldige Opfer", dann fällt einem nichts mehr dazu ein. Abgesehen davon basiert die genannte Zahl auf eine WHO-Studie, mit der lediglich die Möglichkeit der Gesundheitsgefährdung aufgezeigt wird und für die es keinerlei statistische Beweisführung gibt. Aber in unserem Land darf man ja ungestraft jeden Schwachsinn behaupten.

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon HarrySpar » 11.08.2017, 17:09

So wie ich das einschätze kommt man nicht drumherum, den Dieseln alle eine Harnstoffeinspritzung zu verpassen, damit die Stickoxide drastisch runter gehen.
An den NOx überlasteten Straßen kommen die zu hohen Werte eindeutig von den Diesel PKWs. Die LKWs haben ja mitllerweile alle eine Harnstoffeinspritzung.
Und mit Harnstoffeinsprizung haben die Diesel auch wieder eine Zukunft.
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Ismael » 12.08.2017, 10:40

Mahlzeit
HarrySpar hat geschrieben:So wie ich das einschätze kommt man nicht drumherum, den Dieseln alle eine Harnstoffeinspritzung zu verpassen, damit die Stickoxide drastisch runter gehen.
An den NOx überlasteten Straßen kommen die zu hohen Werte eindeutig von den Diesel PKWs. Die LKWs haben ja mitllerweile alle eine Harnstoffeinspritzung.
Und mit Harnstoffeinsprizung haben die Diesel auch wieder eine Zukunft.
Harry

es lohnt sich diese Tage auch ruhig selbst mal etwas zu recherieren und nach vernünftigen Quellen zu schauen.
als Beispiel:
was sind das für "Experten" die nicht wissen das die Gesetzlich erlaubten Grenzwerte in Büros, bei NOx das zwanzigfache über den auf offener Straße liegen?
Oder das Benziner mit großem Hubraum (SUV´s) und Einspritztechnik drei bis zehn mal so viel Rußpartikel ausstoßen wie ein moderner Diesel..!?
Systemexperten mit Lobbyhintergrund ohne sehr großes fachliches Wissen und zu faul sich welches anzueignen berichten aber munter weiter in Tagesschau & Co.medien. Es wird aber wöchentlich immer wieder eine neue Sau durchs Dorf gejagt.

Das wir früher eine ganz andere Verkehrsdichte hatten und viel weniger Diesel mit kleineren Motoren darf man auch nicht vergessen.
Darum denke ich (persönlich) nicht, dass der Diesel früher viel giftiger war als heute, nur gibt es heute eben modernere Methoden zum Messen von Feinstaub.
Nur sollte man nicht außer acht lassen, dass es ist nicht der Diesel alleine ist, der giftige Substanzen produziert, sondern Landwirtschaft, Industrie, Reifen und Bremsabrieb von LKWs usw. sind ebenso an der Masse dieser Teilchen mit beteiligt.
Eine andere Quelle besagt übrigens, das die Schadstoffemissionen die letzten Jahre immer weiter abgenommen haben.
Schauen wir mal auf die unverdächtige Seite des Umweltbundesamtes, wie es sich wirklich damit verhält:
https://www.umweltbundesamt.de/daten/lu ... textpart-1
Dort steht zum Beispiel:
- Seit 1990 hat die Gesamt-NOx-Konzentration um 59% abgenommen
- Die deutlichste Abnahme erfolgte im Verkehrsbereich, von 1.400 Tt --> 500 Tt, also ca. 65%!
- Den weitaus größten Anteil bei den Emissionen im Verkehrsbereich hat der LKW-Verkehr

Der Hohn ist ja, das vergleichbare Diesel 20-30% weniger CO2 produzieren, also genau das tun, was eigentlich gewünscht ist.
Wie gesagt, es lohnt sich diese Tage auch ruhig mal über den Tellerrand zu schauen.
ein anderer interessanter Artikel steht im Fokus:
http://www.focus.de/finanzen/karriere/b ... 78545.html
und zu den SCR-Systemen:
http://www.auto-motor-und-sport.de/test ... 54994.html

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon HarrySpar » 12.08.2017, 11:20

Du darfst nicht den gesamten NOx Ausstoß in Deutschland mit dem punktuellen Ausstoß an diesen "berühmten" NOx überbelasteten Straßen verwechseln.
Es geht ja um diese berühmten Straßen. Wo die Anwohner nachweislich an der zu hohen NOx Konzentration erkranken.
Und an diesen Stellen sind definitiv die Diesel PKW dafür verantwortlich. Wären die Diesel PKW nicht auf diesen berühmten Straßen, wäre dort die NOx Konzentration noch "in Ordnung".

Und zu der Sache mit der MAK Konzentration (950 Mikrogramm pro m3) versus maximale Konzentration an Straßen (40 Mikrogramm pro m3):
Ich kann mir keinen Arbeitsplatz vorstellen, an dem 950 Mikrogramm NOx pro m3 dauerhaft herrschen. Woher sollen denn auch so viele Stickoxide an einem Arbeitsplatz herkommen? Da müsste ja ein Arbeitgeber z.B. die Abgase der Heizung durch die Arbeitsräume jagen.
Gäbe es so viele Stickoxide an einem Arbeitsplatz, würden die Leute dort sicher alle krank werden.
Die 950 sind also wahrscheinlich einfach viel zu hoch gewählt. Aber weil es derartig hohe Konzentrationen nirgends gibt, gibt es auch keine Erkrankungen und auch keine Veranlassung, diesen MAK-Wert zu senken.
Aber an den viel befahrenen Straßen, wo die NOx Werte zu hoch sind, werden nun mal die Anwohner nachweislich krank.

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon reha73 » 12.08.2017, 14:52

HarrySpar hat geschrieben:Und zu der Sache mit der MAK Konzentration (950 Mikrogramm pro m3) versus maximale Konzentration an Straßen (40 Mikrogramm pro m3):
Ich kann mir keinen Arbeitsplatz vorstellen, an dem 950 Mikrogramm NOx pro m3 dauerhaft herrschen. Woher sollen denn auch so viele Stickoxide an einem Arbeitsplatz herkommen? Da müsste ja ein Arbeitgeber z.B. die Abgase der Heizung durch die Arbeitsräume jagen.
Gäbe es so viele Stickoxide an einem Arbeitsplatz, würden die Leute dort sicher alle krank werden.
Die 950 sind also wahrscheinlich einfach viel zu hoch gewählt. Aber weil es derartig hohe Konzentrationen nirgends gibt, gibt es auch keine Erkrankungen und auch keine Veranlassung, diesen MAK-Wert zu senken.

Wenn es keinen Arbeitsplatz mit solch hohen Konzentrationen gäbe oder gegeben hätte, dann hätte man auch keinen solchen Grenzwert festlegen müssen. Da es aber eben einen solchen Grenzwert für NOX gibt, darf man ihn zumindest für gesunde Menschen im Erwerbsalter nach aktuellem Stand der Forschung als unbedenklich ansehen, sofern sie diesen Stoffen maximal 40 Stunden pro Woche ausgesetzt sind. Die MAK-Werte werden jährlich überprüft und ggf. nach unten angepasst. Eine solche Anpassung fand für NOX zuletzt 2010 statt (er war zuvor 10 mal so hoch). Hier im Original nachzulesen: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 4d0049/pdf

Im Übrigen gibt es immer noch (Stand September 2016) Arbeitsplätze mit deutlicher Grenzwertüberschreitung. Z.B. hier nachzulesen: http://www.vbg.de/SharedDocs/Medien-Cen ... onFile&v=3
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon SingleR » 12.08.2017, 14:59

Na, wir müssen in der Diskussion doch noch etwas mehr differenzieren... :roll: Und - @ Ismael - bitte nicht übel nehmen, dass ich Dich aus Gründen der Übersichtlichkeit mehrfach zitiere. ;-)

Ismael hat geschrieben:was sind das für "Experten" die nicht wissen das die Gesetzlich erlaubten Grenzwerte in Büros, bei NOx das zwanzigfache über den auf offener Straße liegen?

Nun, die MAKs gelten i.d.R. für eine Zeitspanne von 8 Stunden - der Organismus kann sich in den restlichen 16 Stunden wieder "regenerieren" . Wenn der MAK-Wert für 8 Stunden unbedenklich ist, heißt das in seiner Konsequenz noch lange nicht, dass dies auch für einen Zeitraum von 24 Stunden gelten muss. Selbstverständlich wäre es interessant zu wissen, warum der NOx-Grenzwert EU-weit auf einen Wert festgelegt wurde, der deutlich unterhalb des MAK liegt. Und wenn besagter Wert unbegründet sein sollte, halte ich es immer noch nicht für verkehrt, (technische) Maßnahmen zu treffen, die die Emission im Ansatz vermeiden.

Ismael hat geschrieben:Oder das Benziner mit großem Hubraum (SUV´s) und Einspritztechnik drei bis zehn mal so viel Rußpartikel ausstoßen wie ein moderner Diesel..!?

Natürlich: auch der Benziner muss "entstaubt" werden. Daran gibt es in der aktuellen Diskussion aber auch keinen Zweifel mehr.

Ismael hat geschrieben: Das wir früher eine ganz andere Verkehrsdichte hatten und viel weniger Diesel mit kleineren Motoren darf man auch nicht vergessen. Darum denke ich (persönlich) nicht, dass der Diesel früher viel giftiger war als heute, nur gibt es heute eben modernere Methoden zum Messen von Feinstaub.

Nun, was heißt "giftig"? Die alten Vorkammer-Dieselmotoren, ob aufgeladen oder nicht, hatten kein "Feinstaub"-Problem im eigentlichen Sinne. Die Partikel, die hinten raus kamen, waren deutlich größer (daher auch besser sichtbar), also deutlich weniger lungengängig als die Partikel, die heute hinten raus kommen. Am Feinstaubproblem hat natürlich die moderne Dieseleinspritztechnik (deutlich höhere Einspritzdrucke mit deutlich besserer Vernebelung des Kraftstoffs) ihren Anteil. Über den Direkteinspritzer ist das "Problem" natürlich auch auf den Benziner übergesprungen.

Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch an eine Frage bei meiner theoretischen LkW-Fahrerlaubnisausbildung erinnern. Auf die Frage, wann man den (Diesel-) Motor einer technischen Überprüfung unterziehen müsse, war die seinerzeit einzig richtige Antwort: "Wenn man im Rückspiegel den rückwärtigen Verkehr nicht mehr beobachten kann." :mrgreen: Andere Zeiten, neue Erkenntnisse... ;-)

Ismael hat geschrieben:Nur sollte man nicht außer acht lassen, dass es ist nicht der Diesel alleine ist, der giftige Substanzen produziert, sondern Landwirtschaft, Industrie, Reifen und Bremsabrieb von LKWs usw. sind ebenso an der Masse dieser Teilchen mit beteiligt.

Alles richtig. Wenn es um die Senkung von Emissionen geht, müssen wir das umsetzen,was umsetzbar ist. Der Landwirtschaft das Stauben auf den Feldern zu untersagen ist ebenso unmöglich wie Reifen- und Bremsabrieb zu unterbinden. Verbleiben also die Industrie (auch diese hat mit immer strengeren Grenzwerten zu kämpfen) und der Straßenverkehr, wo mit relativ überschaubarem Aufwand ein Beitrag zur Verbesserung geleistet werden kann.

Das "Problem" bei der Industrie ist aber auch, dass bei zu scharfen Auflagen die Produktion (wenigstens teilweise) dorthin abwandert, wo die Rahmenbedingungen "günstiger" sind. Im Gegensatz dazu kann ich bei verschärften Grenzwerten, die mein Auto betreffen, mein Fahrpensum statt in Deutschland nicht mal eben nach Nigeria verlagern. ;-) Insofern ist es wünschenswert, dass Grenzwerte nicht nur partiell in Europa gelten, sondern eben weltweit. In diesem Punkt funktioniert das mit der "Globalisierung" schonmal nicht.

Ismael hat geschrieben:Eine andere Quelle besagt übrigens, das die Schadstoffemissionen die letzten Jahre immer weiter abgenommen haben.
.
Auch richtig. Aber nur deswegen die Hände in den Schloß legen???

Ismael hat geschrieben:Der Hohn ist ja, das vergleichbare Diesel 20-30% weniger CO2 produzieren, also genau das tun, was eigentlich gewünscht ist.

Auch richtig. Die unmittelbarere Gefahr für die Gesundheit geht aber vom NOx aus und nicht vom CO2. Natürlich darf und kann nicht von der CO2-Problematik abgelenkt werden. Hier eine deutliche Senkung z.B. über staatliche Lenkungsmaßnamen zu erwirken, das scheint mir ein möglicher Ansatz. SUVs "braucht" z.B. im Prinzip kein Mensch. Wenn man erreichen will, dass die Leute Fahrzeuge kaufen, die deutlich weniger CO2 ausstoßen (egal, ob Diesel oder Benziner), dann führt an einem geänderten Kfz-Steuersystem kein Weg vorbei. In vielen anderen europäischen Ländern greift auch eine anders geartete Firmenwagenbesteuerung, indem Fahrzeuge, deren Kaufpreis einen bestimmten Wert übersteigt, eben steuerlich nicht mehr (oder nicht vollständig) als Betriebsausgabe absetzbar sind.
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

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Beitragvon HarrySpar » 12.08.2017, 15:03

MAK Werte hin oder her.
Dass die Anwohner an den schwer betroffenen Straßen von den NOx Werten krank werden, zweifelt niemand an.
Die Hausärzte stellen es fest und wissen ja, wo ihre Patienten wohnen. Und wenn sie sehen, dass immer die Anwohner an diesen Straßen Atemwegserkrankungen bekommen, ist die Sache doch klar.
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Ismael » 12.08.2017, 17:55

thanks@singleR: Das Leben ist wie ein geschicktes Zahn ziehen:
man denkt immer, das Eigentliche solle erst kommen, bis man plötzlich sieht, dass alles vorbei ist... :lol:

und sorry, vieleicht bin ich da etwas zu vorbehalten rangegangen, ABER ich bin nunmal auch Dieselfahrer. (aktuell Euro 5 mit DPF)
Und natürlich wünsche auch ICH mir gesunde bzw. saubere Luft, gerade in den Städten.
Sehe auch die Fahrverbote, die die Gerichte jetzt mit der Klagewelle wahscheinlich auch durchsetzen werden als positiv.
Ich möchte lediglich nur, dass es objektiv gesehen wird.
Hier jammern wir um Anwohner einer Strasse, die an Asthma leiden. Dort wird (aktuell in Harburg bei uns) ein Kohlekraftwerk ans Netz genommen. (weil wir wollten ja ALLE den Atomaustieg) scratch

vieleicht beruhigt diese Meldung etwas die Gemüter:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/d ... 48081.html
damit werden dann genau die Leute schön öffentlichswirksam abgestraft, die sowieso schon mehr Steuern (KfZ) bezahlen und sich das Auto angeschafft haben, eben weil sie weitere Strecken zur Arbeit etc. fahren müssen.
Aber gut, ich sehe natürlich ein, irgendwo muß jetzt angesetzt werden, damit was passiert.
Dann aber auch bitte die Subventionen für die Landwirtschaft abschaffen, denn auch Landwirte bekommen 21,5 Cent je Liter Kraftstoff beim Agrardiesel zurück (Agrardieselvergütung )
Und wenn ich manchmal sehe was Schlepper oder Baustellenfahrzeuge an Dieselruß rausblasen, fühle ich mich ehrlich gesagt schon ein wenig verarscht. cofus

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Roadslug » 12.08.2017, 20:17

Dass wir uns alle wünschen in einer Umgebung zu leben mit möglichst geringer Schadstoffbelastung, darüber gibt es nun wirklich keinen Zweifel. Das Problem ist aber leider derzeit, dass sich alle Welt auf den privat genutzten Diesel eingeschossen hat und die Diskussion längst jedes Maß an Sachlichkeit und Argumenten verloren hat. Man hat sich auf einen "Gegner" eingeschossen und lässt alle anderen Verursacher von Schadstoffbelastungen außen vor. Damit tut man aber der Sache keinen Gefallen, im Gegenteil, denn selbst wenn man sämtliche privat genutzten Diesel aussperren sollte wird sich die Schadstoffbelastung insgesamt nur unwesentlich verringern. Nur ein gesamt-umfassendes Konzept gegenüber allen Schadstoff-Verursachern wird die Belastungen nachhaltig verringern, aber dazu müsste erst mal das politisch und besserwisserisch motivierte Getöse eingestellt werden.

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Lilo Wandert » 13.08.2017, 08:03

Die Kernfrage ist doch: "Wie und warum entsteht überhaupt NOx--und ist die Entstehung vermeidbar?"
Beim Benziner wird mit dem "3-Wege-Kat" dem Stickoxyd der Sauerstoff geklaut um unverbrannte Kohlen-Wasserstoffe (Kraftstoff) "nachzuverbrennen".
Beim "Mager"-Diesel gibts bei Teillast aber keine unverbrannten CH-Verbindungen, die nachoxidiert werden könnten, und schon wird NOx munter in die Aussenluft entlassen.
Grüssle Lilo
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon HarrySpar » 13.08.2017, 08:45

Servus Roadslug,
also im Hinblick auf die generelle NOx-Belastung haben die Diesel PKW wohl wirklich nur einen gewissen Anteil.
Vielleicht 25%?
Aber da werden ja auch noch (fast) keine Leute krank.
Krank werden die Leute in diesen überlasteten Verkehrsbereichen in den Städten. Da ist dann die NOx Belastung punktuell vielleicht viermal so hoch wie wo anders. Und da haben die Diesel PKW dann nicht nur einen Anteil von 20% sondern vielleicht 60%.
Also ist es angesagt, die Diesel PKW dort nicht mehr fahren zu lassen.

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Roadslug » 13.08.2017, 08:52

Hallo Lilo
Nun ja, Stickstoffoxide entstehen bei jedem Verbrennungsvorgang. Stickstoff und Sauerstoff befindet sich ja in Massen in unserer Luft. Man benötigt also nur Energie um eine molekulare Verbindung herzustellen und die liefert nun mal die Verbrennung. Dabei gilt natürlich: je optimaler die Verbrennung um so höher die dabei entstehende Temperatur und um so mehr Stickoxide entstehen. Das was also den Diesel auszeichnet, nämlich die optimalere Verbrennung und damit der sparsamere Umgang mit dem Brennstoff zeigt sich bei der Stickstoffoxid-Emission als Crux. Die früher üblichen Pkw-Dieselmotoren mit Vorkammer-Einspritzung hatten das Problem nicht annähernd in dem Maß, dafür aber einen deutlich schlechteren Wirkungsgrad (höherer Verbrauch). Bei Großdieseln für Lkw und Arbeitsmaschinen gibt es schon seit mindestens 60 Jahren die Kraftstoff-Direkteinspritzung, bekannt unter dem M-Verfahren (von MAN entwickelt). Diese Motoren hauen wesentlich mehr Partikel und NOx raus, aber darum hat sich bis dato kein Aas gekümmert. Erst in den letzten Jahren wurde für Groß-Lkw die AdBlue-Technik verbindlich eingeführt. In Pkws werden seit rund 15Jahren keine Vorkammer-Diesel mehr sondern ebenfalls Direkt-Einspritzer eingesetzt, mit der wesentlich optimaleren und sparsameren Verbrennung. Aber die Motoren erzeugen eben neben höherem Partikelausstoß auch eine höhere NOx-Emission. Das ist eben die Crux, wie man es macht ist falsch. Den Partikel-Ausstoß hat man durch die seit rund 12Jahren in so ziemlich allen Pkw-Dieselmotoren (Euro 4) eingestzten Partikelfilter ganz gut im Griff, die Diskussion über NOx-Emission ist dagegen erst jetzt so richtig mit Einführung von Euro 6 und dem Skandal über die Manipulation seitens VW und Töchtern aufgeflammt.
@Harry
Nur rund 25% des Mineralölverbrauchs und damit der gesamten Abgasbelastung kommen von den Privat-Pkws. Das sind erst mal zuverlässige Fakten. Wenn man davon ausgeht, dass nur rund die Hälfte davon Diesel-Fahrzeuge sind, ist der Anteil der Abgasbelastung durch Privat-Diesel eher überschaubar. Örtlich, an Mess-Hotspots oder an speziellen Verkehrspunkten, kann man sicher feststellen, dass die maximale Belastung von Diesel-Pkw kommt, siehe Stuttgart. Aber in der gesamten Bilanz dürfte selbst eine kaum durchführbare komplette Aussperrung aller privaten Diesel nicht so die ganz große Wirkung haben, um das mal vorsichtig zu formulieren. Es wird zwar viel über die gesundheitliche Schädigung durch NOx geschrieben, aber verlässliche und statistisch abgesicherte Fakten gibt es derzeit leider nicht. Jeder politisch motivierte dreht sich also die nicht vorhandenen Zahlen so hin wie es für ihn am besten passt. Die angeblich weltweit pro Jahr 10.000 Toten durch Dieselabgase stammen aus einer WHO-Unterssuchung, die auf Dieselabgase als eine der möglichen Ursachen hinweist. Aber mittlerweile wird von bestimmten Leuten das als Fakt hingestellt, siehe den unsäglichen Twitter-Beitrag des Herrn Döschner.

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Zuletzt geändert von Roadslug am 13.08.2017, 09:12, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon HarrySpar » 13.08.2017, 09:06

Damit sind wir wieder bei meiner Feststellung, mit der ich dieses Thema eröffnet habe.
Ich sehe das so:
Man hat die Verbrennung in den Dieselmotoren immer weiter verbessert, was auch die Partikelbildung reduziert hat.
Aber genau diese Verbesserungen erhöhen die NOx Bildung.
Verringert man verbrennungstechnisch die Partikel (Ruß), erhöhen sich die Stickoxide. Und andersrum.
Bzw. in einem Fall muss der nachgeschaltete Rußfilter mehr leisten und öfters regeneriert werden. Und im anderen Fall benötigt man halt mehr AddBlue.
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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon Roadslug » 13.08.2017, 09:39

Um es klar zu stellen: Ich bin ja auch dafür die Abgase sauberer zu machen, auch wenn ich nicht in einem Ballungszentrum wohne. Der Aufwand Diesel mit der AdBlue bzw. SCR-Technik auszustatten ist schließlich überschaubar: Man braucht einen Zusatztank für vielleicht 20l, eine (elektrische) Pumpe und ein Einspritzventil am Motor bzw. an der Abgasanlage und reduziert damit die Stickoxid-Emission um 90%. Mit den 20l kommt man bei einem Diesel-Pkw vielleicht 20.000km weit, die Betriebskosten sind also auch überschaubar. Was mich dabei stört ist die Forderung nach Fahrverboten älterer und nicht mehr nachrüstbarer Diesel-Pkw, zumal die ja nicht mehr sondern im Lauf der Zeit immer weniger werden. Dabei stützt man sich auf "alternative Fakten" (könnte das Unwort des Jahres 2017 werden) um die Forderung zu untermauern. Die Leidtragenden sind aber in erster Linie die Besitzer dieser Fahrzeuge, die sich möglicherweise nichts neues kaufen können. Vielleicht sollte sich die Bundesregierung eine Abwrack-Prämie überlegen, das gab es doch schließlich schon mal.

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Re: Zielkonflikt Ruß - NOX

Beitragvon agentsmith1612 » 13.08.2017, 21:34

Roadslug hat geschrieben:Man braucht einen Zusatztank für vielleicht 20l, eine (elektrische) Pumpe und ein Einspritzventil am Motor bzw. an der Abgasanlage und reduziert damit die Stickoxid-Emission um 90%. Mit den 20l kommt man bei einem Diesel-Pkw vielleicht 20.000km weit, die Betriebskosten sind also auch überschaubar. Roadslug


Man benötigt noch den SCR Kat an sich. Aber sag das man den Herstellern. All das was du da auflistest gibt es und ist technisch machbar, wurde aus Kostengründen und Arroganz aber nicht so eingebaut. Um das zu vertuschen gab es dann die VW Betrugssoftware.

Man muss denke ich derzeit differenzieren.
Wir haben ja in den Städten mit der hohen Belastung nicht unbedingt die hohe Belastung weil die Euro 5 und 6 Diesel PKW mehr ausstoßen als sie dürfen. Sondern weil wir einfach zu viele PKW dort haben. Wenn alle PKW Euro 6 wären und auch deren Abgasreinigung richtig (nicht so wie derzeit) dann kämen wir wohl etwas besser zu recht. Aber was ist mit den Euro 3 und 4 PKWs? Da fahren auch noch welche rum, und die haben noch nicht einmal von SCR was gehört.
Fahrverboten sind nicht das richtige Mittel. Aber es wurde ja festgestellt, "Gesundheit geht vor Besitz" das sehe ich auch so.
Ich meine so lange wir den Diesel kennen hieß es immer "Diesel ist dreckig" und auf einmal heile Welt?
Die Dieselfahrer die ein Fahrverbote treffen würde (Euro 3 und 4) haben ganz sicher keinen Diesel weil die so sauber sind.
Und wenn ich im Fernsehen die Leute höhre die sich einen Euro 6 Diesel gekauft haben und dann davon reden "ich habe mir ein umweltfreundliches Auto gekauft", ganz ehrlich meiner Meinung nach ist das gequierlte Kacke. Niemand in Deutschland denkt beim Autokauf darüber nach ob das Auto umweltfreundlich ist. Es geht nur ums Geld, und da Diesel ja billger ist und weniger verbraucht kaufen viele Leute Fahrzeuge mit diesen Motoren.
Das ist in Deutschland so und auch in Frankreich. Wobei man ja sagen muss Peugeot waren die ersten die mit dem Partikelfilter angefangen haben serienmäßig. Meines Wissens nach ist noch kein Französisches Fabrikat in der NOx Debatte aufgetaucht. Bitte korrigiert mich wenn ich da falsch liege. Es geht also, wenn man es richtig macht, kostet halt nur und man muss dem Kunden klar machen "Füll da auch Adblue ein" ist sogar weniger gefährlich als Diesel oder Benzin Kraftstoff.
Mit freundlichen Grüßen
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