Motorradketten - Vergleich

Die Technik zur F800R - F 800 R.

Motorradketten - Vergleich

Beitragvon SingleR » 01.08.2019, 15:58

Mit Verweis auf diesen Thread (und entgegen meiner dortigen Ankündigung) habe ich mich doch mal kurz hingesetzt und die wichtigsten technischen Daten der einzelnen Kettenhersteller / -modelle tabellarisch zusammengefasst. Den Einen oder Anderen mag das ja interessieren. Und nein: die Tabelle wurde von keinem Kettenhersteller gesponsert. ;-) Die in der Tabelle genannten Werte beziehen sich ausschließlich auf Ketten mit 525er-Teilung, wie sie u.a. an der F800R Verwendung finden.

Zum Thema selbst muss man wissen, dass neben der Teilung (also 520 - 525 - 530 - ...) nur die Innenbreite genormt ist. Außerdem noch der Rollendurchmesser (= 10,16 mm). Wenngleich sich alle Hersteller an die genormte Innenbreite halten, weicht man vom Rollendurchmesser mehr oder weniger stark ab. Warum das so ist, ist im www nicht heraus zu finden bzw.es lässt Raum für Spekulationen.

Nicht aufgeführt in der Tabelle ist der in den Herstellerunterlagen angegebene Verschleißindex, weil dieser nur innerhalb der Palette eines und desselben Herstellers Aussagekraft hat. Zumindest aber korreliert in den jeweiligen Herstellerunterlagen der Verschleißindex stark mit der Zugfestigkeit.

Wenn man also dennoch einmal die Zugfestigkeit als Merkmal für die Lebensdauer der jeweiligen Kette heranzieht, scheint sich zumindest die landläufige Verbrauchermeinung zu bestätigen, dass D.I.D.- und Enuma-Ketten zu den Top-Produkten zu zählen scheinen. Das scheint sich aber wiederum nicht zwingend mit einem (uralten) Test von Motorradketten zu decken, der 2007 von der Zeitschrift "Motorrad" durchgeführt wurde.

Ich bin trotzdem auf Eure Meinung gespannt, ob es insbes. mit Hinblick auf die Lebensdauer des Kettensatzes sinnvoll ist, bei unseren Fs die jeweils "beste" Kette mit den höchsten Zugkraftwerten zu nehmen. Grob und rein subjektiv betrachtet, halte ich b.a.w. die D.I.D. VX für das in der Tabelle enthaltene Produkt mit einem sehr guten (dem besten?) Preis-Leistungs-Verhältnis.

So, und jetzt seid Ihr dran! Aber hier bitte keine Diskussionen zum Zahnriemenantrieb - Danke! ;-)
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon georg » 01.08.2019, 19:33

??? :lol: ??? :lol:
sind wir nicht alle ein bischen bluna arbroller
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Holger1 » 01.08.2019, 22:11

Geil!

Ich denke das Hauptsproblem der meisten Ketten ohne Kettenöler ist irgendwann der Rost im inneren der Bolzen/Rollen. Dieser zerstört die Kette quasi von innen heraus.

Regina Ketten sollen ja so schlecht sein.
Wenn ich aber dann sehe das die BMW S1000R oder XR mit 160PS und 525er Teilung ne Regina haben die schnell und nicht selten 30.000km hält und bei und auch den Rosttod gestorben ist. Denke ich macht sich die Laschen und Rollenstärke eher nicht positiv bemerkbar.

Gruß
Zuletzt geändert von Holger1 am 02.08.2019, 22:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon SingleR » 02.08.2019, 00:50

Holger1 hat geschrieben:Regina Ketten sollen ja so schlecht sein.

Mit Verweis auf die reinen Daten (Zugfestigkeit) könnte man zu diesem Schluss kommen. Aber ob dieser Wert auch tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist? Zumindest wird mit diesem Wert gerne Werbung gemacht, und auch meine persönlichen Erfahrungen widersprechen der landläufigen Meinung über Regina. Der werkseitig montierte Kettensatz (die Kette dürfte der ZRA-Qualität entsprechen) ist 28 Tkm alt und wird dank ausreichender Pflege noch ein paar tausend km halten.

Holger1 hat geschrieben:Wenn ich aber dann sehe das die BMW S1000R oder XR mit 160PS und 520er Teilung ne Regina haben die schnell und nicht selten 30.000km hält und bei und auch den Rosttod gestorben ist. Denke ich macht sich die Laschen und Rollenstärke eher nicht positiv bemerkbar.

Ok, aber die Ketten mit den größten Laschenstärken sind tendenziell erstmal diejenigen mit den höchsten Zugkräften. Leider kennen wir die jeweils verwendete Stahllegierung nicht, die natürlich auch einen Einfluss auf die Haltbarkeit der Kette hat.
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Karl Dall » 02.08.2019, 09:52

Die orig. verbaute Regina hat auf jeden Fall gewalzte billigst-Rollen. Bei ähnlichen Zugfestigkeitswerten griff ich 2014 zur 520er DID VX2 mit Vollrollen für ganze 62€, die trotz (oder gerade?) seltenster Ölung von aussen erst nach 35000km die ersten schwergängigen Glieder zeigte (OHNE jegl. Längung oder Rost!).
Nun tut die damals 4000km alte Regina wieder Dienst, zeigt aber bei 12000km bereits Rost zwischen den Laschen und merkliche Längung (na ja, 1/4 Umdr. an den Stellschrauben).
Gruss Karl Dall
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Holger1 » 02.08.2019, 22:32

SingleR, sach ich ja.
Ich glaube nicht mehr an die beste Lebensdauer wenn die Kette die höchste Zugfestigkeit hat.
Reginaketten kenne ich als haltbare Ketten, siehe die Serienreginas auf hochmotorisierten BMW S1000xx Motorrädern.

Laschenstärke...pah, mir ist noch keine Lasche gerissen, nichtmals bei der 80iger mit komplett Tuningprogramm. :mrgreen:
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon agentsmith1612 » 03.08.2019, 09:51

Die Zugfestigkeit ist ein Parameter von vielen, das sagt aber noch lange nichts über die Haltbarkeit bei der praktischen Verwendung aus. Denn eine Kette ist beim Fahren hochdynamisch belastet.

An sich müsste man das Zugdehnungdiagramm zurate ziehen und noch Paramter wie Streckgrenze, Rp 0,2 und E-Modul mit einbeziehen. Und selbst dann wird man keine exakten Vorhersagen machen können.

Denn ich dnke die Pflege macht mindestens genauso viel aus wie alles andere.
Mit freundlichen Grüßen
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon PeterR.1979 » 03.08.2019, 11:13

Hallo zusammen, zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich es meinem Schrauber meines Vertrauens überlassen habe eine neue Kette zu bestellen. Ich weiß nur noch, dass sie von D.I.D gewesen ist und etwas 170 Euro gekostet hat. Er empfahl mir die teure zu nehmen. Er sagte, bei guter Pflege hält die 35 tkm.

Die erste Kette hielt 22 tkm. Der Vorbesitzer hat die Maschine nicht gut gepflegt. Also Rooki habe ich das leider beim Kauf erst später gemerkt. Naja, was ich sagen will ist, wenn SingleR schreibt, das die erste Kette bei ihm bis 28 tkm gehalten hat, dann scheint vielleicht eher eine gute Pflege, als die Festigkeit von größerer Bedeutung zu sein.

Aber ich finde es total gut, wenn sich jemand die Mühe macht für die Community Listen zu erstellen, die uns allen weiter helfen können.

Beste grüße
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon SingleR » 03.08.2019, 23:26

Nun, am Ende war das Zusammentragen der Daten doch etwas weniger aufwändig als gedacht. Mal sehen, ob ich es noch erlebe, dass ich einen zweiten Kettensatz (aber mit einer anderen als der werkseitig montierten Kette) an meiner R fertigfahre, wenn schon die erste Kette dank entsprechender Pflege länger durchhält als ich das mit Verweis aufs kolportierte Regina-Produktimage gedacht hatte. ;-) Dass es Qualitätsunterschiede gibt, war ja klar, aber mit den verfügbaren technischen Daten lassen sie sich nicht eindeutig erklären. Die Zugfestigkeitswerte erinnern mich zumindest ein wenig an den früheren "Pixelwahn" bei den Digi-Cams, wo die Anzahl der Pixel allein auch keinen Rückschluss auf die Qualität der Fotoaufnahmen zulässt.

Mich interessiert aktuell jedenfalls, warum die Kettenhersteller beim Rollendurchmesser von der Norm abweichen. Insofern ist der einzig im www verfügbare Produkttest der Zeitschrift "Motorrad" aus 2007 ein schlechter Witz, weil halbherzig und unvollständig - und weil insbes. auch nicht die Materialqualität unter die Lupe genommen wurde. Beim Test von Kettenfett hat man sich jedenfalls ein paar Jahre später mehr Mühe gegeben, einem bis dato in Motorradkreisen renommierten Hersteller von DryLube-Produkten in die Haxen zu treten. :mrgreen:
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Holger1 » 04.08.2019, 07:52

SingleR hat geschrieben:
Die Zugfestigkeitswerte erinnern mich zumindest ein wenig an den früheren "Pixelwahn" bei den Digi-Cams, wo die Anzahl der Pixel allein auch keinen Rückschluss auf die Qualität der Fotoaufnahmen zulässt.


clap
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Karl Dall » 04.08.2019, 17:39

Hab noch einige Vergleichsdaten aus nem alter "Schüller"-Katalog gefunden:
Enuma 520_01.jpg

Enuma 525_01.jpg

die "billigeren" Ketten haben einfach dickere Laschen, irgendwie scheinen 520er Ketten völlig ausreichend zu sein--eine grössere Auswahl verschiedener Qualitäten hatte es damals jedenfalls...
Gruss Karl Dall
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Holger1 » 04.08.2019, 19:41

HmDie Innenlasche ist es doch die Lasche, die an der Reibfläche zum Bolzen, zusammen mit dem Bolzen verschleißt und sich so die Längung ergibt.
So gesehen macht natürlich eine breitere innenlasche Sinn, da die Auflagefläche um z.B. 0,2mm breiter ist. Das ergibt eine geringere Flächenpressung pro mm² und somit theoretisch geringeren Verschleiß.

Aber wie schon mehrfach gesagt und gesagt worden ist, im Regelfall sind die Glieder irgendwann vom Rost angefressen und werden steif...die Kette beim fahren laut.

Wenn jetzt ein Hersteller her kommen würde und von neuen und revolutionären Fettkammern etc. berichten würde, die eine Langzeitschmierung über x Jahre beinahe garantieren...dann würde ich hellhörig werden. :D
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Karl Dall » 05.08.2019, 10:09

Die Durchbiegung der Niete ist wohl ein wesentlicher Verschleissfaktor--weshalb kurze+dicke aus hochfestem Material zu bevorzugen wären.
Niet_Durchbiegung1.jpg

beim Schnitt durch ein X-Ring Glied erkennt man, dass ölen und fetten von aussen nichts (ausser Rostschutz) bringen kann, es sei denn man verwendet ein Schmiermittel das einerseits GARANTIERT die Dichtringe nicht angreift und andererseits SICHER zwischen Rolle und Hülse kriecht, um dort für "dämpfende" Wirkung zu sorgen.
Ist Schmierung zwischen Rolle+Hülse überhaupt wichtig, wenn man bedenkt, dass eine betrachtete Rolle erst nach 5 Ritzeldrehungen erneuten Kontakt mit dem Ritzelzahn bekommt und dabei vielleicht 1/100 Umdrehung verdreht wird?
Glied_Aufbau.jpg
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon agentsmith1612 » 05.08.2019, 16:57

Ich denke das Schmieren ist auch dafür von Nöten um zwischen Ritzel und Kette rein äußerlich eine Reibungsverringerung zu realisieren. Trockene Kette auf trockenem Ritzel ist im Prinzip Metall auf Metall das ist nie gut. Daher wohl das Schmieren und natürlich zur Korrosionsvorsorge.
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Re: Motorradketten - Vergleich

Beitragvon Karl Dall » 05.08.2019, 18:05

Bei Rolle/Ritzelzahn herrscht ROLLreibung, da gibts nicht viel zu vermindern! Allerdings haftet nach 1km soviel Staub an der gefetteten Rolle, dass das gut als Schleifpaste durchgeht. Schleifpaste oder Trocken-Rost ist anscheinend eine Gewissensfrage, der Verschleiss findet jedenfalls INNEN statt.
Kette im Ölbad wäre die Lösung, so wie bei diesem Moped aus dem Motorrad-Technik-Museum-Quirnheim, bei dem die Schwinge gleich der Kettenkasten war
Heinkel Perle.jpg
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