ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Reifen, Freigaben, Erfahrungen zur F800R - F 800 R.

Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon SingleR » 13.10.2021, 16:44

Der Alwin hat geschrieben:Fährst du nur, also zu 100% Vollgas auf der Autobahn???

Nein, natürlich nicht. Aber ich vertraue lieber einem Reifen, der, nach div. Tests u.a. in Extremsituationen, für mein Motorrad explizit freigegeben ist. Auch wenn ich selten in die Nähe der Extrembelastung komme.

Der Alwin hat geschrieben:Nun verändert JEDER Reifen ab einer gewissen Laufleistung sein Verhalten, der eine früher, der andere später, EGAL, ob zugelassen für ein Motorradmodell oder nicht.

Das habe ich auch nicht in Abrede gestellt. Aber das veränderte Verhalten des sich verschleißenden Reifens kann sich bei dem einen Motorrad stärker, bei einem anderen Motorrad weniger stark bemerkbar machen.

Der Alwin hat geschrieben:Mich würde dann aber auch interessieren, wie das ein Deutscher Polizist sieht, der MICH als Österreicher in Deutschland aufhält, und sieht, dass der Reifen, den ich aufgezogen habe, in Deutschland keine Zulassung hat. Darf ich dann weiterfahren, während der Kollege aus Deutschland mit Deutscher Zulassung mit dem gleichen Motorrad mit dem gleichen Reifen am Strassenrand abgestellt wird und mit dem Bus nach Hause fahren darf/muss???

Ich glaube, Du verwechselst da etwas. Die Freigabe eines Reifens durch den Reifenhersteller ist in Deutschland nicht bindend für den Betrieb mit einem bestimmten Motorrad, so lange in der CoC selbst keine Auflagen gemacht werden. Insofern wird bei einer Kontrolle niemand an der Weiterfahrt gehindert, wenn in der ZB1 (bzw. der CoC) keine Reifenbindung eingetragen ist, der montierte Reifen aber die in der ZB1 genannten Kriterien erfüllt.

Anders verhält es sich, wenn z.B. für einen "Oldtimer" die eingetragenen Reifen (Dimensionen oder gar Reifenmodelle) gar nicht mehr erhältlich sind. Dann geht nichts an einer Freigabe eines Reifens durch den Reifenhersteller (oder ggf. Fahrzeughersteller) vorbei. Und das sowohl in Deutschland als auch in Österreich und anderswo.

In Deutschland - wo eben doch stellenweise "bis zum Anschlag" gefahren werden darf - nutzen die Reifenhersteller die Freigabe insbes. aus Produkthaftungsgründen. Sollte sich heraus stellen, dass ein Unfall auf den Reifen zurück zu führen ist, wird der Reifenhersteller bei Nichtfreigabe des Reifens kaum Konsequenzen befürchten müssen, wenn für den betreffenden Reifen keine motorradmodellspezifische Freigabe erteilt wurde. Der Reifenhersteller verlagert insofern die Verantwortung für das Funktionieren des betreffenden Reifens auf den Fahrzeughersteller. Zu diesem Thema gab es mal ein gutes Erklär-Video (da hat die Redaktion "Motorrad" ausnahmsweise mal einen guten Job gemacht ;-) ). Finde es aber gerade nicht.

Eines dürfte jedoch sicher sein: fällt in Deutschland die "freie fahrt für freie Bürger", wird eine Reifenfreigabe durch den Reifenhersteller schnell obsolet werden - weil sich bekanntermaßen ein vergleichsweise unkritisches Tempo von 130 km/h in Deutschland genau so (langweilig :mrgreen: ) anfühlt wie dasselbe Tempo in Österreich oder Frankreich. ;-)
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon Langstreckler » 13.10.2021, 19:53

Für Reifen, die frühestens 2020 gefertigt wurden, ist eine Reifenfreigabe unter bestimmten Umständen bereits jetzt schon obsolet. Und ab 2025 wird dieses Thema generell vom Tisch sein:
https://www.adac.de/-/media/pdf/motorrad/reifenfreigaben-motorraeder.pdf

Schaut man beispielweise bei Michelin nach passenden Motorradreifen, dann findet man nur noch den Hinweis auf eine Serviceinformation für empfohlene Reifenkombinationen:
https://www.michelin.de/motorbike/startseite-motorrad
Von „Freigabe“ ist hier nicht mehr die Rede.

Gruß
Dietmar
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon OSM62 » 13.10.2021, 20:49

Natürlich reicht es (nach den Zulassungspapieren) im Moment bei aktuellen BMW-Mopeds das vorne und hinten Reifen vom gleichen Hersteller aufgezogen sind.

Ich stelle aber immer wieder fest (neben den über 30 Reifentests die ich in den letzten 2 Jahren gefahren bin), das nur freigegebene (oder wie man es auch immer nennen will) bzw. getestete Reifen der Hersteller auch wirklich mit den Motorrad-Modell funktionieren. Habe bei der letzten Reifenvorstellung auf einer schnellen BMW (S 1000 XR) eine nicht in D empfohlene Ausführung (die GT Version) gefahren. Hatte sofort wieder eine Fahreigenschaft die ich bei der neunen S 1000 XR eigentlich nicht mehr kannte (das Aufschaukeln beim zackigen durch beschleunigen über 200 km/h).
Es sind diese Eigenschaften (und die jüngeren F 800 R sind bei Reifeningenieuren berüchtigt) die dazu führen das bestimmte Reifen nicht empfohlen werden.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon Langstreckler » 15.10.2021, 09:57

Ich will hier überhaupt nicht in Abrede stellen, dass es Reifentypen gibt, die mehr oder weniger gut für bestimmte Mopeds geeignet sind.

Wenn aber die Gefahr besteht und der Reifenhersteller diese kennt, dass sich der Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten aufgrund des durch den Reifen verursachten Aufschaukelns von seinem Moped verabschiedet, dann reicht es aus Produkthaftungsgründen nicht für den Reifenhersteller, auf die Empfehlung oder Freigabe zu verweisen, die man sich ja hätte besorgen können bzw. müssen.

In diesem Fall liegt die Verantwortung bzw. Bringschuld ganz klar beim Reifenhersteller. Er muss die Nicht-Eignung seines Reifens für bestimmte Motorräder so dokumentieren (z.B. obligatorisches Beiblatt beim Reifenkauf), dass der Kunde die Gefahr, die von diesem Reifen auf bestimmten Mopeds ausgeht, klar erkennt.

Gruß
Dietmar

P.S.: Erst letzte Woche habe ich wieder eine Schulung zum Thema Produkthaftung gemacht.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon HarrySpar » 15.10.2021, 10:17

OSM62 hat geschrieben:Hatte sofort wieder eine Fahreigenschaft die ich bei der neunen S 1000 XR eigentlich nicht mehr kannte (das Aufschaukeln beim zackigen durch beschleunigen über 200 km/h).

Und wie immer scheint diese "riesige Gefahr" des Aufschaukelns auch bei Dir zu keinem Unfall geführt zu haben.
Also was soll's!
Harry
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon OSM62 » 15.10.2021, 12:50

HarrySpar hat geschrieben:Und wie immer scheint diese "riesige Gefahr" des Aufschaukelns auch bei Dir zu keinem Unfall geführt zu haben.
Also was soll's!
Harry

Bei mir nicht.
Aber es hatte Versuchsfahrer mit der F 800 R gelegt.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon HarrySpar » 15.10.2021, 13:10

Mich würde dann mal interessieren, was diese Versuchsfahrer alles mit dem Motorrad anstellen, damit es sie dann hinlegt.
Vielleicht legen die es regelrecht darauf an.
Wenn man es "regelrecht darauf anlegt", ist klar, dass es ungut ausgehen kann. Aber wer tut das im normalen Leben, so lange er nicht lebensmüde ist?
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon SingleR » 15.10.2021, 13:36

Langstreckler hat geschrieben:Wenn aber die Gefahr besteht und der Reifenhersteller diese kennt, dass sich der Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten aufgrund des durch den Reifen verursachten Aufschaukelns von seinem Moped verabschiedet, dann reicht es aus Produkthaftungsgründen nicht für den Reifenhersteller, auf die Empfehlung oder Freigabe zu verweisen, die man sich ja hätte besorgen können bzw. müssen.

In diesem Fall liegt die Verantwortung bzw. Bringschuld ganz klar beim Reifenhersteller. Er muss die Nicht-Eignung seines Reifens für bestimmte Motorräder so dokumentieren (z.B. obligatorisches Beiblatt beim Reifenkauf), dass der Kunde die Gefahr, die von diesem Reifen auf bestimmten Mopeds ausgeht, klar erkennt.

Interessante Aussage - die mich aber danach fragen lässt, auf welcher Rechtsgrundlage (Verweis auf einschlägige Pragraphen) diese Aussage beruht. Ich bin gespannt, zumal ich mich ebenfalls regelmäßig mit dem Thema "Produkthaftung" auseinander setzen muss.

HarrySpar hat geschrieben:Mich würde dann mal interessieren, was diese Versuchsfahrer alles mit dem Motorrad anstellen, damit es sie dann hinlegt.
Vielleicht legen die es regelrecht darauf an.

Hier müssen wir diffenzieren:

1. wird ein erfahrener Tester i.d.R. schon vor dem Erreichen des Grenzereichs bestimmte Schwächen eines Reifens bzw.einer Kombination aus Motorrad und Reifen wahrnehmen, so dass er es gar nicht bis aufs Äußerste ankommen lassen muss.

2. lassen sich bekanntermaßen an Moppeds diese auch von Schräglagentrainings bekannten "Ausleger" montieren, damit beim Abschmieren des Reifens der Tester erst gar keinen unsanften Kontakt mit dem Boden bekommen wird.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon HarrySpar » 15.10.2021, 14:21

SingleR hat geschrieben:2. lassen sich bekanntermaßen an Moppeds diese auch von Schräglagentrainings bekannten "Ausleger" montieren, damit beim Abschmieren des Reifens der Tester erst gar keinen unsanften Kontakt mit dem Boden bekommen wird.

Das kann ich mir nicht vorstellen. Mit so einem Ausleger fahren die sicher nicht 200 oder 250, um so ein Aufschaukeln oder dergleichen zu erspüren.
Und außerdem würde so ein Ausleger die ganzen Fahreigenschaften ja dermaßen verändern, dass man die Ergebnisse niemals auf das eigentliche Motorrad ohne Ausleger beziehen könnte.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon OSM62 » 15.10.2021, 18:10

HarrySpar hat geschrieben:Mich würde dann mal interessieren, was diese Versuchsfahrer alles mit dem Motorrad anstellen, damit es sie dann hinlegt.
Vielleicht legen die es regelrecht darauf an.
Harry

Ich hatte mich mit verschiedenen Ingenieuren verschiedenen Reifenhersteller zum Thema der junger F 800 R befasst.

Ich sage jetzt zum x-ten mal das die jüngere F 800 R nicht umsonst bei vielen Reifentypen keine "Montageempfehlung" erhalten hat.
(und bei der F 800 R geht es "nur" um die normale Stabilität beim fahren im Bereich der möglichen Höchstgeschwindigkeit)

Und es legt sich kein Versuchsfahrer freiwillig auf die Schnauze.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon SingleR » 15.10.2021, 18:50

HarrySpar hat geschrieben:Das kann ich mir nicht vorstellen. Mit so einem Ausleger fahren die sicher nicht 200 oder 250, um so ein Aufschaukeln oder dergleichen zu erspüren.

:?: :?: Der Ausleger wird nicht zum Geradeausfahren benötigt. Er schützt den Fahrer vor dem Ablegen beim Befahren von Kurven im Grenzbereich. Mach' mal ein Schräglagentraining (≠ Kurventraining!), und Du weißt, was ich meine.

Sollte sich bei Geradeausfahrt ein Aufschaukeln einstellen, dann wird ein erfahrener Tester das frühzeitig bemerken, ebenso frühzeitig das Tempo drosseln, bevor er Gefahr läuft, auf der Nase zu liegen. Insofern:

OSM62 hat geschrieben:Und es legt sich kein Versuchsfahrer freiwillig auf die Schnauze.

ThumbUP
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon Der Alwin » 15.10.2021, 19:57

SingleR hat geschrieben:
HarrySpar hat geschrieben:Das kann ich mir nicht vorstellen. Mit so einem Ausleger fahren die sicher nicht 200 oder 250, um so ein Aufschaukeln oder dergleichen zu erspüren.

:?: :?: Der Ausleger wird nicht zum Geradeausfahren benötigt. Er schützt den Fahrer vor dem Ablegen beim Befahren von Kurven im Grenzbereich. Mach' mal ein Schräglagentraining (≠ Kurventraining!), und Du weißt, was ich meine.

Sollte sich bei Geradeausfahrt ein Aufschaukeln einstellen, dann wird ein erfahrener Tester das frühzeitig bemerken, ebenso frühzeitig das Tempo drosseln, bevor er Gefahr läuft, auf der Nase zu liegen. Insofern:

OSM62 hat geschrieben:Und es legt sich kein Versuchsfahrer freiwillig auf die Schnauze.

ThumbUP



Wenn dem so ist, dass die das Aufschaukeln frühzeitig erkennen können, warum haben sich diese Versuchsfahrer dann abgelegt mit der F 800R???? Da stinkt doch was wie faule Eier....
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon OSM62 » 15.10.2021, 21:19

Warum wird eine K 1600 GA bei 162 abgeregelt.
Warum wird ein K 1600 B bei 200 abgeregelt.
Eine K 1600 GTL bei 220.
Warum eine Ducati Streetfighter V4 bei 270.
Eine Yamaha MT 09 bei 210.
eine Honda CB 1000 R bei 240?

Viele bin ich schon selber gefahren. Und eigentlich immer aus dem gleichen Grund, da Sie dann nicht mehr ordentlich geradeaus fahren.

Eine nackte Honda CB 1100 EX (schwerer als die F 800 R) wird nicht umsonst bei "echten" 180 eingebremst.
Als ich die 180 (Tacho 190) gefahren bin, kam schon Bewegung ins Fahrwerk die man beachten sollte.

Eine F 800 R wäre mit ihrer Leistung Ende der 70er Jahre das Superbike von der Leistung her gewesen.

Ich fahre jedes Jahr auch einiges an "Fremdmaschinen". Auch heute noch sind Geschwindigkeiten ab und über 200 km/h nicht mit "links" in den Griff zu bekommen.
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon Langstreckler » 15.10.2021, 23:15

SingleR hat geschrieben:
Langstreckler hat geschrieben:Wenn aber die Gefahr besteht und der Reifenhersteller diese kennt, dass sich der Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten aufgrund des durch den Reifen verursachten Aufschaukelns von seinem Moped verabschiedet, dann reicht es aus Produkthaftungsgründen nicht für den Reifenhersteller, auf die Empfehlung oder Freigabe zu verweisen, die man sich ja hätte besorgen können bzw. müssen.

In diesem Fall liegt die Verantwortung bzw. Bringschuld ganz klar beim Reifenhersteller. Er muss die Nicht-Eignung seines Reifens für bestimmte Motorräder so dokumentieren (z.B. obligatorisches Beiblatt beim Reifenkauf), dass der Kunde die Gefahr, die von diesem Reifen auf bestimmten Mopeds ausgeht, klar erkennt.

Interessante Aussage - die mich aber danach fragen lässt, auf welcher Rechtsgrundlage (Verweis auf einschlägige Pragraphen) diese Aussage beruht. Ich bin gespannt, zumal ich mich ebenfalls regelmäßig mit dem Thema "Produkthaftung" auseinander setzen muss.


Ich bin Physiker und kein Jurist. Deshalb kenne ich mich zwar einigermaßen mit den Naturgesetzen aus, zu den Rechtsgrundlagen meiner Aussage zur Produkthaftung und den einschlägigen Paragrafen kann ich Dir aber nicht weiterhelfen.

Allerdings muss ich bei meinem Arbeitgeber (Automobilzulieferer), dessen Rechtsabteilung nicht nur aus einer One-Man-Show besteht, jährlich eine Produkthaftungsschulung absolvieren. Da geht es nicht um Paragrafen, sondern um die praktischen Dinge der Produkthaftung: Wer trägt Verantwortung, was sind die Folgen, …

Außerdem wird das Thema anhand von praktischen Beispielen erläutert. Zentrale Grundlage ist hier immer, dass derjenige, der ein Produkt in Verkehr bringt, alles Zumutbare unternehmen muss, damit von diesem keine Gefahr bei bestimmungsgemäßer Nutzung ausgeht. Das fängt bei der Entwicklung an, geht mit Einkauf und Fertigung weiter und ist nicht einmal mit dem Verkauf und den entsprechenden Produkthinweisen erledigt. Vielmehr ist der Hersteller aufgefordert, sein Produkt über den gesamten Lebenszyklus am Markt zu beobachten, und bei Auffälligkeiten Maßnahmen einzuleiten.

Auf dieser Grundlage bin ich durchaus in der Lage, von meinem Arbeitsgebiet auf das Thema „Reifen“ Analogieschlüsse zu ziehen. Das ist der Hintergrund meiner Aussage.
Deshalb stehe ich dazu: Wenn ein bestimmter Reifen auf einem bestimmten Motorrad (lebens)gefährlich sein sollte und der Reifenhersteller das weiß, dann muss der Reifenhersteller offensiv auf diese Gefahr bei seinen (End)kunden hinweisen.

Da Du aber wohl überzeugt bist, dass das nicht so ist und der Kunde (Verbraucher) eine Holschuld hat, wirst Du uns sicher hier darlegen, auf welcher Rechtsgrundlage (Verweis auf einschlägige Pragraphen) Deine Einschätzung beruht.

Gruß
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Re: ContiRoad Attack 3 bekommt keine Freigabe

Beitragvon HarrySpar » 15.10.2021, 23:54

OSM62 hat geschrieben:Warum wird eine K 1600 GA bei 162 abgeregelt. ...
Viele bin ich schon selber gefahren. Und eigentlich immer aus dem gleichen Grund, da Sie dann nicht mehr ordentlich geradeaus fahren.

Ist mir klar, dass die da nimmer völlig einwandfrei geradeaus fahren.
Aber das ist unabhängig vom Reifen. Die Reifen sind nunmal alle rund und ausgewuchtet, und für was weiß ich 270 oder sogar 300km/h geeignet.
Und es fahren auf der Erdkugel todsicher genug Leute mit nicht offiziell freigegebenen oder empfohlenen Reifen rum. Auch mit der F800. Und auch trotz Tempolimit mal Vollgas. Es wird garantiert auch z.B. in Amerika jeder seine F800 mal Vollgas ausfahren. Wenn er sicher ist, dass grad keine Polizei da ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Amerika jemand jahrelang seine F800 hat und die jahrelang nicht mal wenigstens zum Test mal Vollgas fährt. Und wenn das mit nicht empfohlenen Reifen so gefährlich ist und es deshalb dauernd zu schlimmen Unfällen kommt, dann würde man davon mal hören oder lesen. Aber man hört nix und man liest nix. Also kann es so schlimm nicht sein,
Harry
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